Andacht zum Sonntag 03.05.

Liebe Schwestern und Brüder,

noch immer Corona. Noch immer zuhause bleiben. Solangsam werde ich ungeduldig. Ich bin nicht gut im Warten. Doch wie wir alle muss ich mich genau darin jetzt üben. Es ist ein bisschen so, als hätte Gott auf die Pausetaste gedrückt (kennen Sie noch diese alten Kassettenrekorder?), als sagte er uns: „Fahrt mal runter, haltet inne!“.
Mir fällt das nicht leicht.
Vielleicht, weil es keine freiwillige Ruhe ist, keine selbstgewählte. Oder aber doch einfach, weil die Geduld eine Tugend ist, die ich leider noch nie hatte. Ich denke an die Tage vor Corona – eben schnell vor dem nächsten Termin noch mit unserem Hund raus. Eine kleine, schnelle Runde und dann weiter. Aber immer dann, wenn ich es wirklich eilig habe (als würde er es spüren), bleibt dieser unser Hund an jedem Gartenzaun stehen (mal gucken, was da so los ist), an jedem Grashalm und jedem Blümchen. Und jedes Mal krieg ich, den nächsten Termin im Kopf, die Krise. Nach Hause zerren will ich ihn allerdings auch nicht, also lass ich mich irgendwann auf sein „Tempo“ ein und dann, irgendwann, spüre ich, dass das etwas mit mir macht. Ich sehe mich um, ich atme durch, ich nehme die mich umgebende Natur tatsächlich wahr! Innehalten, Luft holen, Kopf frei kriegen!

Kürzlich las ich in den Sprüchen des Alten Testaments: „Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit“ (Sprüche 14,29).
Unser Hund (Castor heißt er) ist da bislang noch der deutlich Weisere von uns. Aber ich will die Geduld lernen und vielleicht hilft mir diese Krise sogar dabei. Die großen Probleme, die sie mit sich bringt, will ich nicht kleinreden, sie sind mir täglich sehr bewusst, aber ich möchte mich daran erinnern, dass in jeder Krise auch eine Chance liegt. Die Pausetaste – halte inne, sieh, was wirklich von Bedeutung ist.
Seit Jahren habe ich die Passions- und Osterzeit nicht mehr so bewusst erlebt. Pause – innehalten, Zeit der Besinnung und des stillen Gebets.
Pause-, nicht Stopptaste! Es wird weitergehen!
Ich hoffe, wir alle nehmen auch Gutes aus dieser Zeit mit hinein in das irgendwann wieder „hochgefahrene“ Leben.

Es grüßt Sie alle herzlich Ihre

 

Zurück