Andacht zum 22. März

"Aber seid getrost!"

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

vorgestern rief mich meine Schwester an. Sie war ziemlich geknickt. Denn ihr war klar geworden, dass sie ihre Geburtstagsfeier absagen muss. Wegen Corona. Monatelang hatte sie sich darauf gefreut und so vieles schon vorbereitet. Einr under Geburtstag mit all ihren Lieben. nd das geht jetzt nicht. Ganz schön bitter. Und dann sagte sie noch: "Ich hab' Angst, was jetzt noch alles auf uns zukommt."

"In der Welt habt ihr Angst", sagt Jesus. Im Augenblick muss man dazu nicht viel sagen. Ja, wir haben Angst. Weil wir nicht wissen, was noch alles auf uns zukommt. Innerhalb weniger Tage hat sich so vile in unserem Leben verändert. Auch in der Kirche: Wir haben unsere Gottesdienste abgesagt. Unsere Konfirmationen verschoben. Bestattungen dürfen nur noch unter freiem Himmel stattfinden. Wie werden wir in diesem Jahr Karfreitag und Ostern feiern? Wir wissen es noch nicht.

Umso wichtiger ist mir heute die Fortsetzung des Jesus-Wortes: "In der Welt habt ihr  Angst. Aber seid getrost!" Wenn so Vieles wegbricht, wird das wichtig, was uns Halt gibt. "Seid getrost." Wir haben Menschen, mit denen wir uns jetzt austauschen können, was uns Angst macht. Wir können einander Mut zusprechen. Einander trösten: "Seid getrost."

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte gern, dass genau das der Grundton wird in all dem, was wir in diesen Tagen sagen und tun: "Seid getrost." Ja, viele unserer Vorhaben müssen wir auf Eis legen. "Aber seid getrost." Es ist jetzt auch eine Zeit, wwo Gutes unter uns wachsen kann.

Genauso erlebe ich die Stimmung in unseren Gemeinden, im Moderamen und in unserem Kirchenamt. Nach dem Erschrecken kommt die Entschlossenheit: Das wollen wir jetzt miteinander durchstehen. Und dann kommen schon die ersten guten Ideen, was wir trotz alledem jetzt tun können: miteinander telefonieren, chatten, skypen, in Verbindung bleiben, meinetwegen am Fenster und durch die Haustüren hindurch. Und wir können füreinander beten. Niemand muss sich jetzt allein gelassen fühlen. Darauf werden wir achten.

"Aber seid getrost." Das macht Mut. Und das ist kein leeres Gerede. Denn: Es kommt von Jesus, der Angst kennt, der extreme Togesangst durchstehen musste. Und der von Gott da hindurchgeführt wurde. Und der herausgerissen wurde aus dieser Angst - ins Leben.

O ja, wir werden Ostern feiern, nach diesen Wochen der Passion. Wir wissen noch nicht genau, wie. "Aber seid getrost."

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie mit einem Dank für alles Durchtragen und Mithelfen in Gemeinde und Kirche und Nachbarschaft

Ihr Martin Heimbucher

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