Einführung Pastorin Martina Korporal

Martina Korporal über ihre Einführung:

"Am Sonntag wurde ich nach einem Jahr nun doch endlich in meine Pfarrstelle in Lingen und Baccum eingeführt. Es war ein schöner und musikalischer Gottesdienst und diese tolle Bank habe ich geschenkt bekommen. Sie steht jetzt bei uns vor dem Haus und lädt zum Verweilen ein, zum Reden oder Kaffeetrinken und auch auf ein Glas Sekt. Kommt gerne vorbei und nutzt sie mit mir. Gepredigt habe ich folgendes:

„Gnade und Friede von GOTT, unserm Vater und dem Herrn JESUS CHRISTUS
durch die Kraft des HL. GEISTES. Amen.

Liebe Gemeinde,
Es war fast am Ende unserer diesjährigen Fahrradtour, kurz vor Skagen.
Da kamen wir vorbei, an diesem wuchtigen Turm
inmitten von Dünen, Heide und Krüppelwäldern (das Bild hochhalten)
Nichts drumherum, keine Häuser, nur dieser Turm.
Eine Infotafel.
„Versandete Kirche“ steht da.
Still standen mein Mann Joachim und ich vor der Turm.
Eigenartig berührt.
„Versandete Kirche“
Im Mittelalter war sie die größte Kirche der Umgebung, Laurentiuskirche.
Dann wurde der Sandflug der Wanderdünen immer stärker, so dass die Kirche immer mehr zusandte.
Man versuchte noch viel mit Schaufel und Besen, aber irgendwann ging es nicht mehr.
1795 wurde sie geschlossen.
Das Inventar verkauft und die Steine des Kirchenschiffes der armen Bevölkerung zum Hausbau zur Verfügung gestellt.
Mitten in Skagen wurde eine neue Kirche gebaut.
Ja, den Menschen in Skagen damals blieb wohl nichts anders zu tun übrig,
als ihre Kirche aufzugeben – gegen den Flugsand waren sie machtlos.
Eigenartig berührt war ich.

Ich weiß, dass aus verhängnisvollen Naturgründen Gebäude oder eben Kirchen an unterschiedlichen Orten der Welt aufgegeben werden müssen.
Ich weiß, dass heute in unseren Zeiten evangelische oder katholische Gotteshäuser aufgegeben, umgewidmet, verkauft, und manchmal auch abgerissen werden oder im besten Fall gemeinsam genutzt werden.
Bei kleiner werdenden Gemeinden ist das in der Regel eine sinnvolle Lösung,
sich von unterhaltsteuren Gebäuden zu trennen.
Ich weiß … und dennoch bin ich eigenartig berührt.
Versandet.

Ich stehe dort und denke an Kirche heute 2021
Ohne dass ich es will, denke ich: wir versinken auch - nicht im Sand -
aber in der Bedeutungslosigkeit und das alles ohne Flugsandprobleme.
Es verläuft soviel im Sand,
obwohl soviele etwas tun und sich engagieren.
Warum?
Doch nicht nur aus Desinteresse der Menschen.
Und ich denke weiter.
Vielleicht braucht zu es zu uns, die wir uns engagieren auch noch andere Menschen.
Es gibt so viele Menschen mit tollen Gaben und Begabungen.
Neue Ideen, neue Wege.
Sie täten der Kirche gut.
Aufbruch an anderen Orten mit anderen Ideen.
Talente unbeachtet, ungenutzt
Eine Chance gegen die Bedeutungslosigkeit
Ja, so schaue ich auf diesen Dünenkirchturm bei Skagen und denke … .
Ein Mahnmal und eine Aufgabe.
Die Gaben in unserer Kirche und unseren Gemeinden sollen bitte nicht im Sande verlaufen.
Gemeinde soll Zukunft behalten.
Welche Gaben braucht Gemeinde heute.
Wie finden wir sie.

Jesus erzählt eine Geschichte über Gaben und Begabungen.
Ein Gleichnis darüber und wie wir umgehen können mit unseren Möglichkeiten.
Eine Geschichte die nichts verharmlost, eine Geschichte, die uns fordert.
Sie fiel mir ein, als ich wieder auf dem Rad saß und nachdachte
über Gemeinde und das Versanden.
Während ich gleichmäßig in die Pedale stieg,
gegen den Wind von vorne ankämpfte,
den Weg zum nächsten Campingplatz suchte
ordneten sich meine Gedanken, um die Jesus Geschichte herum:
Ich will sie euch erzählen
Da war ein Gutsbesitzer.
Verreisen wollte er.
Und er wusste, er würde eine Weile abwesend sein.
Drei Verwalter sollten in der Zeit seine Vermögen sichern und vergrößern.
Dem einen gab er fünf Talente, dem einen 2 Talente und dem dritten ein Talent.
Er gab jedem nach seiner Tüchtigkeit.
„Macht was draus“ – sagt er zu seinen Leuten.
Die beiden ersten Verwalter taten, was von ihnen verlangt war.
Sie vergrößerten, ja verdoppelten das ihnen Anvertraute.
Der 3.Angestellte hat was anderes gemacht.
ER hat das ihm anvertraute Pfund vergraben.
Das erschien ihm als die sicherste Möglichkeit, das Geld NICHT zu verlieren.
Das klingt eigentlich auch ganz gut.
Ohne Risiko leben.
Es erscheint verantwortungsbewusst,
aber irgendwie auch wie ein typischer ängstlicher Kleinsparer eben.
Als der Gutsherrn ihn nach den Gründen für sein Verhalten fragte, war dies seine Antwort:
„Ich weiß ja, wie streng du sein kannst. Du erntest nicht, wo du nicht gesät hast. Aus Angst vor einem Risiko und deiner möglichen Strenge habe ich das Geld in die Erde versenkt – hier hast du es wieder, auf Heller und Pfennig genau.“
Angst vor dem Risiko!

Das kenne ich aus meinem eigenen Leben, aus meiner Arbeit, aus der Kirche.
Angst vor dem Risiko.
Ich habe mir was überlegt. Ich weiß nicht, ob das wirklich was wird.
Es gibt so vieles was dagegen spricht.
Ich lasse es wohl besser.
Nachher bin ich oder die anderen enttäuscht.
Angst vor dem Risiko!
Enge, finanzielle dünne Zeiten in der Kirche.
Lieber sparen für noch schlimmere Zeiten.
Stellen abbauen, Gebäude verkaufen.
statt in Menschen und Projekte zu investieren, die neue, andere Wege gehen.
Angst vor dem Risiko!
Und so verstecken wir unsere Gaben und vergraben unsere Talente.
und versuchen die viele Arbeit mit immer weniger Menschen zu schaffen.
Anstatt zu pushen, zu investieren, an eine Sache so zu glauben, dass es was wird, wenn wir es ausprobieren, ist da die Angst vor dem Risiko.

Jesus erzählt gerne Geschichten.
Geschichten vom Leben, den Problemen und den Lösungen.
Auch diese Geschichte ist so eine.
Jesus hat uns Menschen beobachtet, sieht uns
Und es ist so, damals wie auch heute.
ER sieht uns mit all dem, was wir sind und was können.
Darüber will er reden
Sag mal, was machst du mit deinem Talent?
ER will unsere Aufmerksamkeit und nutzt das Bild des Geldes.
Wenn es um Geld geht hören alle zu.
Erzählt eine Geschichte vom Geld,
aber nicht wie einer, der als Anlageberater Tipps in einer Finanzkrise zu geben hat.
Ein Talent war zur Zeit von Jesus ziemlich viel Geld.
5 Talente richtig viel Geld.
Und als er die Aufmerksamkeit hatte sagte er:
Ihr Lieben ihr könnt was, Gott hat euch etwas geschenkt.
ER hat euch etwas anvertraut, so etwas ähnliches wie Geld.
ER hat es euch geschenkt
Es geht jetzt nur darum, etwas daraus zu machen.
Was machst du mit deinem Talent?

Und ich höre mich und andere fragen:
Habe ich Talent?
Kann ich eigentlich was, was gebraucht wird.
Andere können viel mehr als ich!
Sie sind talentierter, gesünder, musikalischer, sportlicher, klüger, einfach besser.
Vielleicht war es das, was den 3. Verwalter dazu gebracht hat sein Talent zu vergraben.
Ihm wurde ja anscheinend nicht so viel zugetraut, nur ein Talent.
Also traute er sich auch nicht viel zu
und so wollte er erst gar nicht versuchen, was draus zu machen.
Das lässt Jesus aber nicht gelten
Es kommt nicht auf die Menge an.
Es kommt nicht darauf an, ob jemand 5 oder 2 oder 1 Talent hat
Ja, es ist so!
Die eine ist talentierter als der andere.
Und an anderer Stelle dann eben umgekehrt.
Jesus sagt: Schau auf das, was DU kannst und du kannst was.
Jeder Mensch hat ein Talent, mindestens eins.
Vielleicht manchmal unscheinbar und ganz gewöhnlich.
z.B. genau dort anzupacken, wo es anderen an Zeit mangelt.
Oder mit Geduld zuhören, wenn eine nicht aus dem Hamsterrad der Gedanken herauskommt.
Oder Wissen in einem bestimmten Bereich, was andere nicht haben.
Ich höre noch den Satz in einem Gespräch, das ich gesucht hatte, weil ich etwas nicht wusste,
wo mir einer am Ende sagt:
Ich wusste nicht was ich in der Gemeinde tun kann, jetzt weiß ich was ich tun kann.
Was machst du mit deinem Talent?
Jeder Mensch kann etwas und Gott traut es uns zu, dass wir etwas machen können,
weil er uns was mitgegeben hat
Es ist wie bei Eltern und Kindern:
Wenn wir unseren Kindern viel zutrauen, dann werden sie auch viel können.
Würden wir dauernd sagen: „Aus dir wird mal nie etwas, egal, wie du dich anstrengst!“ –
dann ist ein Kind kaum in der Lage, seine Talente zu entwickeln.
Gott sei Dank traut uns Gott eine Menge zu.
Wir müssen nur genau hinschauen
Was machst du mit deinem Talent?
Vergraben hatte der dritte Verwalter sein Talent
Hättet er das Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte der Chef bei der Rückkehr immerhin Zinsen erhalten.
Das hält ihm der Gutsherr dann auch vor.
Da ist es mit den Talenten vielleicht wirklich so, wie mit dem Geld:
Mit seinen Pfunden wuchern kann nur, wer sie weggibt.
Talente, die ich für mich behalte, haben keinen Wert.
Erst, wenn ich sie einsetze, können sie sich wirklich entfalten.
Immer wieder sagt Jesus uns Menschen das.
Wer festhält, was er kann, wird alles verlieren. Das Geheimnis des Lebens heißt:
„Nicht das, was ich habe, macht mich reich, sondern das, was ich gebe, macht mich reich!“

Anna rief mich an: Sie und ein Trupp junger Menschen organisierten Werkzeuge, Schneeschaufeln und Wasserschläuche. Kannst Du auch welche organisieren? fragte sie. Wir fahren mit 20 Leute ins Ahrtal um beim Aufräumen zu helfen. Jeder von uns kann was anderes. Wir denken, wir werden gebraucht.
4 Wochenende hintereinander haben sie sich auf den Weg gemacht.
Nicht was ich habe macht mich reich, sondern das was ich gebe.
Talente, eingesetzt für das Leben
Reichtum wächst im Reich Gottes.
Was machst du mit deinem Talent?
Was ist, wenn ich meine Talente falsch einsetze?

Ich stelle mir vor es gäbe noch einen weiteren Angestellten in der Jesus Geschichte
Neues fasziniert ihn.
Und ich sehe wie er sein Talent hineinwirft in die großen neuen Ideen seiner Zeit.
Da wird ihm ein großer Gewinn versprochen.
Ja, das mache ich.
Irgendwann schaut und hört er nicht mehr genau hin.
Windige Geschäftspartner.
Statt Gewinne jagt ein Verlust den anderen.
Dann Konkurs.
Mit leeren Händen steht er da- als Einziger.
Und Jesus, was wäre wohl seine Reaktion?
Was würde er dazu wohl sagen?
Ich denke: Jesus wird ihn anschauen mit viel Liebe,
die leeren ausgestreckten Hände,
und ihn dann einladen zum Fest.
So wie in der Geschichte vom Sohn,
der alles verprasst hat, aber trotzdem bei seinem Vater nicht durchfällt.
Bei Gott wird anders gerechnet
Was machst du mit deinem Talent?
Der 3. Verwalter sagt: Ich wusste, dass du ein strenger Herr bist!“
Da klingt nach Angst.
Wovor?
Vielleicht ahnt der 3. Verwalter: Talente das sind Geschenk und Verpflichtung zugleich.
Es ist nicht egal, was wir mit unseren Talenten machen.
Vielleicht ahnt er es könnte nicht gut ausgehen für ihn und deshalb flüchtet er lieber in die Risikolosigkeit.
„Ich wusste, dass du ein strenger Herr bist!“
Muss ich Angst haben vor dem strengen Herrn.
Nein, ich glaube nein, denn was streng klingt ist eigentlich nur Gottes konsequentes Zutrauen in uns.
Es ist nicht wichtig, wieviel wir schaffen, wieviel wir herauskitzeln aus unseren Talenten,
sondern dass wir daran glauben, dass Gott uns Talente geschenkt hat,
Talente zum Wohl der Gemeinschaft.
Das was ich kann, kann ich einbringen. Jede und jeder von uns.
Sei es Gottesdienstvideos zu drehen oder Musik zu machen oder mit Jugendlichen Zeit verbringen, oder essen für andere zu kochen und beim Essen anderen zuhören.
Und manchmal kommen dann noch ganze andere Menschen mit ganz anderen Ideen dazu, die sich einbringen zum Wohl von Gottes Schöpfung. Das erlebe ich gerade im Calvingarten.
Als wir in Skagen in unserer Unterkunft angekommen sind,
waren meine Gedanken zur Ruhe gekommen
Ich wusste plötzlich, wir können etwas tun gegen das Versanden in der Bedeutungslosigkeit.
Wir müssen nur auf die Talente schauen, sie suchen bei uns und anderen und zulassen und lebendiges Leben entsteht zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes .
Amen
„Dein Wort, o Gott, sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf all unseren ängstlichen Wegen."

Posaunenchorleiter Peter Müller hat während der Einführung einige Fotos gemacht. Sie sind hier zu sehen: Einführung Martina Korporal.

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